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Redaktion: Heinz Schmitz


Induktives Laden während der Fahrt

Modell des dynamischen Ladesystem. Die einzelnen in der Straße positionieren Spulen sind jeweils durch eine Leistungs- und Steuerungselektronik bei Bedarf zu und abschaltbar. (Quelle: Uni Stuttgat/MobiLab)

 

20 Meter lang ist die Teststrecke auf dem Campus der Universität Stuttgart. E-Fahrzeuge können dort während der Fahrt induktiv aufgeladen werden – mit einer enormen Effizienz, die so bisher noch nicht erreicht wurde. Entwickelt hat die Teststrecke ein Forschungsteam des Instituts für Elektrische Energiewandlung (IEW) unter der Leitung von Professorin Nejila Parspour im Rahmen des MobiLab-Teilprojekts „Forschungsstraße: Dynamisches Laden und sichere Energieversorgung“.

 

Während der Fahrt aufladen, statt lange Standzeiten am Kabel: „Dank dynamischen Ladens können wir die Reichweite der Fahrzeuge vergrößern, die Batteriekapazität verringern und die notwendige Ladezeit drastisch reduzieren“, erklärt Professorin Parspour, Direktorin am IEW. Das Besondere an der Teststrecke der Universität Stuttgart: Es sind Wirkungsgrade von mehr als 90 Prozent realisierbar. Damit ist die Effizienz konkurrenzfähig zum konduktiven Laden mit einem Kabel. „Mit diesem hohen Wirkungsgrad haben wir einen Meilenstein beim induktiven dynamischen Laden erreicht. Wir kennen kein System, das ähnlich effizient ist“, sagt Parspour, die das Projekt gemeinsam mit Professor Krzysztof Rudion vom Institut für Energieübertragung und Hochspannungstechnik (IEH) betreut.

 

Wie funktioniert dynamisches induktives Laden?

Die Teststrecke auf dem Campus Vaihingen besteht aus 40 einzelnen Spulenelementen mit einer Grundfläche von 50 auf 48 Zentimeter. Der Abstand zwischen dem Fahrzeug und den Spulen beträgt 20 Zentimeter. Die Strecke erkennt die Position des Fahrzeugs über dem Spulensystem automatisch und versorgt nur die relevanten Primärspulen im Boden. Durch die magnetische Kopplung zur sekundärseitigen Spule im Fahrzeug wird Energie übertragen. Die übertragene Leistung ist proportional zur sekundärseitigen Spulenfläche.  Bei gleicher Grundfläche von 0,24 Quadratmetern wird unabhängig von der Fahrzeuggeschwindigkeit kontinuierlich eine Leistung von 10 Kilowatt (kW) übertragen. Zum Vergleich: Eine herkömmliche Steckdose liefert 2,3 kW Dauerleistung zum Laden eines E-Autos. Insgesamt bietet die Teststrecke eine konstante und unterbrechungsfreie Leistungsübertragung während der Fahrt.

 

Viele Vorteile für autonome Fahrzeuge

Insbesondere für autonome Fahrzeuge wie etwa Shuttle-Fahrzeuge bieten induktive Ladestrecken erhebliche Vorteile. So könnten die Fahrzeuge rund um die Uhr und ohne Standzeiten während des Ladevorgangs im Einsatz sein. In einem nächsten Schritt wollen Parspour und ihr Team die Technologie deshalb beim autonom fahrenden CampusShuttle der Universität Stuttgart erproben, das derzeit eingelernt wird. Dazu soll die Teststrecke zu einer Forschungsstraße auf dem Campus Vaihingen ausgeweitet werden.

 

Im Rahmen des Projekts zum induktiven dynamischen Laden wollen Parspour und ihr Team das bidirektionale Laden weiter erforschen. Damit könnten die Fahrzeuge beispielsweise als Energiepuffer genutzt werden.  Zudem möchten die Wissenschaftler*innen die Leistungsdichte, also die Energieübertragungs-Leistung pro Fahrstrecke, weiter erhöhen.

 

Über MobiLab

Die Teststrecke zum induktiven und dynamischen Laden ist ein Teilprojekt des Reallabors MobiLab, dessen Ziel ein autofreier Campus ist. Neben der Thematik des induktiven Ladens während der Fahrt, entwickelt ein Team um Professor Frank Allgöwer einen autonom fahrenden E-Scooter und eine Forschungsgruppe um Dr. Dan Greiner forscht an einem autonomen CampusShuttle.

 

Siehe auch:‘

https://www.uni-stuttgart.de/universitaet/profil/nachhaltigkeit/mobilab/

 

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